de | en
Natalia LL

Natalia LL

Natalia LL (geboren 1937) studierte von 1957–1963 an der Kunstakademie in Wroclaw in der Klasse von Prof. Stanislaw Dawski. Seit 1957 lebt und arbeitet sie in Wroclaw.

Natalia LL spielte eine wesentliche Rolle als Mit-Initiatorin der Avantgarde-Bewegung. Im Dezember 1970 gründete sie gemeinsam mit Zbigniew Dlubak, Andrzej Lachowicz und Antoni Dzieduszycki die Künstlergruppe und Galerie PERMAFO, die bis 1981 bestand. PERMAFO spielte eine Schlüsselrolle im künstlerischen Foto-Medialismus. Mitte der 70er-Jahre schloss sich die Künstlerin aktiv der internationalen feministischen Kunstbewegung an und nahm gemeinsam mit der Weltelite der neo-avant-garde an zahlreichen Symposien und Ausstellungen teil (u.a. Marina Abramovic, Valie Export, Friederike Pezold, Anette Messanger). Sie war eng verbunden mit der Internationalen Triennale der Zeichnung in Wroclaw – bei der ersten und zweiten Veranstaltung gehörte sie zu den Veranstaltern, und in der 4. und 6. fungierte sie als Vize-Vorsitzende. Natalia LL ist Professorin an der Kunstakademie in Poznan. Ihre komplexen Arbeiten wurden in den letzten 3 Dekaden oft besprochen und gehören mittlerweile zum Kunstgeschichtskanon.

Die Tätigkeiten der Künstlerin wurden diskutiert von Urszula Czartoryska, Antoni Dzieduszycki, Agata Jakubowska, Bożena Kowalska, Piotr Krakowski, Agnieszka Kwiecień, Anna Markowska, Adam Sobota, Wiesława Wierzchowska und vielen anderen. Ihre Arbeiten wurden auf zahlreichen wichtigen Kunstausstellungen in Polen und im Ausland präsentiert, u.a: 9. Biennale von Paris, 1975;
15. Internationale Biennale von San Paulo, 1979; Erotik in der Kunst, Kunstverein München, 1982;
La Photographie Polonaise, Centre Georges Pompidou, Paris, 1982; Europa-Europa, Kunst- und Austellungshalle Bonn, 1994; Natalia LL – The Gardens of Personalism, Ujazdowski Castle Centre of Contemporary Art, Warsaw, 1998; Summaries, BWA Bielska Gallery, 2004, u.v.m.

Natalia LLs multimediales Werk umfasst Fotografie, Video, Performance, Installation als auch Malerei und Zeichnung. Die Künstlerin ist Autorin zahlreicher theoretischer Texte und Gedanken zur Kunst, die wichtige Aspekte ihrer Arbeit akzentuieren.

Natalia LLs Projekte resultieren aus Experimenten im Bereich der konzeptuellen Kunst.
Die Künstlerin ist eine der ersten polnischen Repräsentantinnen der Begriffskunst und in ihren Arbeiten ist ein analytischer Ansatz deutlich. Schon Anfang der 70er-Jahre konnte man an ihren Arbeiten die Anzeichen dafür erkennen, dass der Konzeptualismus sich von medialen Problemen löste zugunsten einer Sprachwahl, die die Idee in den Vordergrund stellte. Im Rahmen der Post-Konzeptuellen Praxis nutzte sie die Ikonografie der Pop-Kultur, der Massenmedien und der Pornografie. Die Arbeiten der Künstlerin provozieren oft eine Interaktion der Zuschauer. Häufig berührt die künstlerische Praxis von Natalia LL die Problematik der Identität der Künstlerin und der Frau. Die Werke sind übersättigt mit Intuition, nicht selten mit einer magischen Atmosphäre, die – teils mit Hilfe von literarischen Bezügen, – eine transzendente Erfahrung hervorrufen. Schon zu Beginn ihrer künstlerischen Kariere – im Bereich der Kunst als auch im alltäglichen Leben – nutzte Natalia LL Strategien zur Selbstkreation.

Ende der 60er-Jahre, unter Einfluss der Lektüre der Schriften des Marquis de Sade und Georges Bataille unternahm sie Recherchen in der erotischen Fotografie (z.B. Intimate Sphere, 1969; Velvet Terror, 1970; Intimate Photography, 1971) Ebenso oft griff sie zur Sprache der Popkultur und stellte damit den moralischen Status Quo in Frage. 1972 begann sie unter dem Titel Consumer Art einen Foto- und Filmzyklus, in dem sie die Bedeutung des Konsumierens verschob. Diese Idee wurde später um den Zyklus Post-Consumer-Art erweitert (1975). Experimente, die eine fotografische Repräsentanz von Bildern aufzeigten, die im realen Leben unmöglich erscheinen, mündeten im Zyklus Artificial Photography (1975). In der sehr kreativen Phase der 1970er-Jahre entstanden ebenso die Zyklen: Animal Art (1977), Dreaming (1978) und Points of Support (1978). Damals schuf die Künstlerin auch Filme wie Permanent Recording of Time (1970) und Impressions (1973). Die expressivste Phase im Schaffen von Natalia LL fällt auf die Dekade der 80er-Jahre – die Zeit des Kriegszustandes in Polen und der Umwandlung des ethischen Wertebegriffs – auch auf künstlerischer Basis. Die Künstlerin arbeitet mit Aspekten aus Philosophie, Magie und Religion und dekonstruiert ihr eigenes physisches Dasein (u.a. Panic Fear 1987, Magic Triangle 1987, Mystic Head 1987). In den 90er-Jahren führt sie Ihre Untersuchungen zur Wirklichkeit des Bösen und zur Autoreflexion fort (Platonic Form 1990, Panic Sphere 1991). In dieser Zeit dreht sie fabularische, künstlerische Filme zu deren Vertonung sie die Musik von Richard Wagner verwendet und die sich auf mythologisch-literarische Themen beziehen (Voracious Cats 1994, Brunhild’s Dreams 1994). In den letzten Jahren hat Natalia LL die ausgebauten Fotografie-Zyklen fortgeführt (z.B. Eroticism of Terror, 2004) in denen eine traumartige, unruhige Atmosphäre vorherrscht. Sie nutzt auch das Selbstzitat und erschafft somit neue Bedeutungen für Motive, die aus ihrer früheren Tätigkeit vertraut sind (The Softness of Touch 1977/2007; Quadruple Fluffiness 1978/2007).

Newsletter

created by *modulusdesign